H. U. Steger  –  Karikaturist, Kinderbuchautor, Kunstmaler, Objektkünstler
 

John Mänitsch

(frei nach Ted Fontane)

Ein Shitsturm tobt über dem Züri-See,
es wanken die Banken, oh-je und herrjeh!
Jon Mänitsch, wer war John Mänitsch?
John Mänitsch war unser Steuermann.
Fest hielt er, so lange er Bonis gewann.
Bei Credi und Pleiti (genannt Ubeess)
begann es zu räucheln, oh Wow, welch ein Stress!
"Noch da, Herr Mänitsch?" Und Antwort schallt's,
mit erstickender Stimme: "Ok, ich halt's."
Da naht schon die Spritze vom Bankvaterland,
und löscht all die Gluten mitsamt Hildebrand.
Gerettet die Banken, von neuem beseelt.
Wir danken, wir danken, (nur ein fehlt).

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Schwarzgeld

Taler, Taler, du musst wandern
von der einen Bank zur andern,
her und hin nach Singapur,
dort verliert sich deine Spur.
Solche Schwarzgeldtransaktionen
sind Investments die sich lohnen,
und dank solcher Schieberei
lebt der Krösus steuerfrei.

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Der Skandal um Schweizer Kunstnachlässe

Im letzten Teil der Zürcher Güterbahnhofsruine sind von einigen Idealisten die Kunstnachlässe von Otto Müller, Trudi Demut und weiteren kinderlosen Künstlern eingelagert worden. Andere Künstlernachlässe sind in der Kehrichtverbrennungsanstalt gelandet oder konnten erst in letzter Minute von Künstler-Kollegen gegen hohe Bezahlung gerettet werden. Die Werke von Hanny Fries und von Carlotta Stocker sind in jahrelanger Gratisarbeit von Freunden geordnet und durchnummeriert worden. Der Nachlass von Varlin und Hans Josephsohn ist in guten Händen. Aber was geschieht mit den Nachlässen von nachkommmenlosen Künstlern? Für Architektur-Nachlässe sorgt zum Glück das Institut gta der ETH vorbildlich.
Aber über was berichten denn heute alle unsere "Kunstkritiker", "Kunstinterpreten", "Kunsttheoretiker", Auktionsberichterstatter etc. ? Über Kunst??? Ha! Da lacht sogar der Buster Keaton! Sie schreiben über den KUNST-MARKT. Über Warhol statt über Varlin. Über Milliardäre, die in Miami-Beach für Pop-Quatsch Millionen rausschmeissen. Über eingepökelte Walfische, diamantenbesetzte Menschenschädel. Sie erklären Nagelhäuser, Baukrane, Brockenhausstühle, zerrissene Leintücher etc. etc. zu Kunstwerken.
Au Mei-Mei!
Aber jetzt zurück zum Art-Dock. Wer sorgt dafür, dass diese und andere Kunstnachlässe bald in einem würdigeren Gebäude eingelagert und auch ausgestellt werden könnten? Zum Beispiel in einem Teil der ehemaligen Kunstgewerbeschule oder einem Flügelchen des geplanten neuen Kunsthauses.
Fehlt es der Schweiz an Geld? Für Hotel-Wolkenkratzer in Bergtälern, Grossbankrettungen, Schlachtfeiern, Internetanschlüssse in den Kindergärten, Strassenbaukosmetik, Luxusartikel aller Art ist immer jede Menge Geld da.
Wer stiftet ein Almosen zur Rettung der Lebenswerke unserer Schweizer Künstler des letzten Jahrhunderts?

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Lemmingkolonnen

Vor 50 Jahren gab es in der Presse immer wieder interessante Kunstdiskussionen. Der globalisierte Kunstmarkt hat dem ein Ende bereitet. Wie geklonte Lemminge marschieren die heutigen Kunstinterpreten durch die Prunksäle der New Yorker Warenhaus Kunst und stürzen sich statt über die Klippen in die zuckersüsse Andywarhölle.

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Efeu

Ist ein Baum ein Baum, ehe er von Efeu, das sich an ihm emporrankt kritisiert, interpretiert und als Baum anerkannt wird?

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Ready-made

Es war die cleverste Idee Marcel Duchamps', eine Pissoirschüssel auf den Kunstmarkt zu werfen. Seit bald 100 Jahren ist diese Schüssel für Generationen von Kunstinterpreten unerschöpflicher Quell tiefschürfender Reflexionen und wird es sicher auch in Zukunft bleiben. Sie stillt ohne Zweifel ein noch immer drückendes Bedürfnis.

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Künstler

Der Schriftsteller Adolf Muschg verteidigt den "Künstler" Thomas Hirschhorn. Jedoch Thomas Hirschhorn zeichnet nicht, malt nicht, bildhauert nicht. Hingegen schreibt er Texte auf Packpapier und alte Leintücher. Somit ist er doch - ja was wohl? Ein Schriftsteller.

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Lehrer-Dozent

Früher hatten wir für's Zeichnen richtige Lehrer, heute haben sie nur noch Dozenten. Der Unterschied? Wie zwischen Stationsvorstand und Billetautomat.

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Jahrhundertstaub

Des "Kaisers neue Kleiderverkäufer" haben 1988 dem Kunsthaus für 1,5 Millionen Dollar eine leere, 2.5m x 3m grosse Leinwand angedreht, auf welcher sich, wie sie damals betonten, "der Staub der Jahrhunderte" ablagern sollte. Aus Angst vor Sprayern und Leinwandschlitzern à la Fontana (von denen ich damals in einem Leserbrief warnte), haben die Kunsthaushasenfüsse dann eine Panzerglasscheibe davor montiert. Nun hat aber seither, wie ich es vorausgesagt hatte, der Jahrhundertstaub keinen Zutritt mehr zur staubbedürftigen Leinwand, so dass diese nun durch eine aufwändige Jahrhundertstaubberieselungsanlage täglich eingestäubt werden muss.

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Notvorrat

Meret Oppenheims Pelztasse, Duchamps Pissoir und die sexuellen Besonderheiten der Familie Mann dürfen in keinem Notvorratsschrank des Kulturjournalisten fehlen.

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Baumarkt

Rüchriem, Sol LeWitt, De Maria, Serra und Kiefer haben es fertig gebracht, dass wir Granitsteine, Stellriemen, Backsteine, Eisenbleche, Gipsklumpen, Bleiplatten etc. für teures Geld beim internationalen Kunsthandel einkaufen, statt im wesentlich günstigeren Baumarkt.

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New school management

Frühenglisch
Secondhandfranzösisch
Randgruppenitalienisch
Anlehrdeutsch
Globaltalk
Business-classrooms
Kopf, Herz und Handy
Primaryschool-Tschointwentscha
Erziehungsdirectschn an die Börse !

Für den Frühenglish-User ist eigentlich
jede Kuh ein Heufooder.

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Kids

Nach dem "unfriendly takeover" unserer Muttersprache durch die Globalplayers werden nun auch unsere Kinder zu Kids transformiert. Eigentlich sind Kids die Jungen von Ziegenböcken und Schafsköpfen wie im grossen Disneyland, wo der Dad der Mum Baby sagt, aber auch Chick oder Bitch. Sprachkidnapping.

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Germanismen

Jungs
Alts
Senils
Arms
Reichs
Dicks
Doofs
Kranks
Dumms

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Feminismen

AussenministerInnen
AusserrhoderInnen
InhaberInnen
EindringlingInnen
FinnInnen
InsassInnen
HermaphroditInnen

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Psychoanalytiker

Der Psychoanalytiker
ist insofern mit dem Schnellen Brüter verwandt,
     
als auch er beim Verbrennungsprozess

mehr neuen Brennstoff erbrütet als er dabei beseitigt.

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Säuliamt

Bluemestöckli
Kafimöckli
Chindersöckli
Überhöckli

Chuchichäschtli
Schützefäschtli
Schwyzerörgerli
Puurezmörgeli

Chnollebletterpilzpaschtetli
Wucherzinsaalagsmonetli
Ämtlerfilzpantöffeli
Wotschespaaratlöffeli?

 

Xeit isch xeit

Pfräpfarrerhäxeit
Pfräpfischterheixeit
Pfräpfäffliseiletschti
Tschtägenabgheit.

 

Beltbellt

Wenn der Hund am grossen Belt bellt,
und der Feldherr auf dem Feld fällt,
wenn die Kuh im frischen Gras grast,
und der Raser ohne Rast rast,
sagt der Tatortkommentator später:
alles wieder Wiederholungstäter.

 

Kühchen

Als die Alm völlig abgegrast war, mussten sich
die Kühchen von Küchenabfällen ernähren.
Als die Kühchen aber in die Küchen eindringen
wollten, jagten die Küchenchefs die armen
Kühchen mit Flüchen aus den Küchen.

 

Zeppel

Der Zeppel fragt Frau Zeppelin:
"Wo fliegst denn du schon wieder hin?"
Die Zeppelin darauf zum Zeppel:
"Nach Friedrichshafen, alter Deppel!"

 

Lumpepack

Lockt en alti Chuchischabe     
ein zu sich i'd Chuchi abe,
tribt det mit em Kakerlak
Chuchischabeschabernack.

 

Online

Der Pitbull will nicht online walken,
das Frauchen möcht' ihn leinen,
probiert ihm freundlich zuzutalken,
er schnappt nach ihren Beinen.

 

 

 

Ein Tete-à-tete mit Nofretete,
ein Nofretetetetàtete.

 

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Bonjour Tristesse

Das Heulfuder
Das Weinfass
Gränny Smith
Der Tränensack
Die Trauerweide
Der Leidhammel
Der Stossseufzer
Die Jammer-Lappen
Der Krokodils-Träner
Die Taubenlochschluchtz

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Theorien

Zu viele Theorien hindern den Lernenden daran, selber zu denken. Zeichnen lernt man hauptsächlich durch Zeichnen. Aber das ist nun auch schon wieder eine Theorie.

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Künstlers Finger

Wie soll ein Maler malen, wenn er statt den Pinsel zu halten, seinen Finger auf die wunden Stellen unserer Gesellschaft legen, oder der kranken Welt, wie es unsere Kultursachverständigen immer wieder fordern, den Spiegel vorhalten muss?

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Kunsthandel

Erstaunlich schon, wie sich der Kunstbegriff in wenigen Jahren auf eine unermessliche Breite ausgedehnt hat. Was einst mit Fettecken, Filz, leeren oder geschlitzten Leinwänden, kolorierten Starfotos, Steinkuben, Gipsklötzchen begonnen hat, dehnt sich jetzt auf Ablaufrohre, Elektrokabel, Fernsehapparate, Drahtgitter, Hafenkräne, Wollfäden, Schutthaufen, Kehrichtsäcke, Fudifotos, Armsessel, Nagelhäuser, Schlittschuhe, Rüebliportraits, Speiseresten etc. etc. aus. Früher unbeachtet gebliebener und leichtsinnig weggeworfener Müll wird heute zu Rekordpreisen gehandelt und verkauft. Ja, fragt sich doch, wer so etwas wohl kauft? Wer, ausser Kunsthäusern kann das bezahlen, wer hat so viel Geld?
Ja wer wohl? Ich kann mir meine Schadenfreude nicht ganz verkneifen: Die Abzocker kaufen's mit ihren ergaunerten Boni-Millionen als sichere Kapitalanlage.

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Kunst–Müll

De Becker fin't im Chäller plötzli
zweituusig chlini wissi Chlötzli.
Das Zügs verchaufid mir de Banke.
Pro Chlötzli öppe tuusig Franke.

Es schneielet, es Beyelet
und d'Priise stiged gschwind,
ich poscht mer no en Baselitz,
und stah dänn uf de Grind.

De Vielchlotz hät e Linwand kauft
für öppe zwei Millione,
jtzt hänkt sie hinder Panzerglas
als grossi Art–Ikone.

Da malt en Pop–Amerikaner
en Zipfelchappe–Ku–Klux–Klaner
und schmiert em nochli Bluet an Grind,
dass d'Chäufer z'Züri zfride sind.

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Trend

Ach, wie spitzen Kuratoren
an der Messe ihre Ohren,
schnuppern nach dem neusten Lüftlein.
Oh, ihr schlauen kleinen Schüftlein.

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